Die Stadtkapelle Wangen ist bei ihrem Silvesterkonzert in der Argensporthalle ihrem Titel als bestes Blasorchester Deutschlands gerecht geworden. Dirigent Tobias Zinser führte mit viel Humor durch ein Programm, das seinen Glanz und seine Leichtigkeit durch die musikalischen Qualitäten der Stadtkapelle erhielt.
Die Ouvertüre zu Verdis „La Forza del Destino“ wartete mit delikater Begleitung, singenden Melodien und südlicher Leidenschaft auf. Auch Tschaikowskys „Ouvertüre 1812“ war von Leidenschaft erfüllt. Schon die Blechbläser-Einleitung zum Ringen der alten Zarenhymne mit der Marseillaise zeigte die perfekte Klangdisziplin der Stadtkapelle. Nach mehreren Anläufen, die sich bis zum gewaltigen Zusammenprall steigerten, trug die Zarenhymne den musikalischen Sieg davon.
Der erste Teil des „Westcoast Concerto“ von Kees Vlak atmete die Weite und Kraft der amerikanischen Prärien und drängte ungestüm vorwärts. Ryoko Taguchi, eigens aus Dresden angereist, legte einen strahlenden Klavierpart über die kraftvoll dahin stürmende Begleitung. Der Mittelteil wechselte von der langsamen Ballade, über einen getragenen Choral bis zum Blues und gemütlichem Swing. Die Spielanteile von Solistin und Stadtkapelle waren ausgewogen, Concertare – wetteifern – im wahrsten Sinn des Wortes, und das verlieh dem ganzen Stück bis hin zum von Samba-Rhythmen dominierten Schluss einen ganz besonderen Glanz.
„El Camino Real“ von Alfred Reed kam mit königlichem Stolz daher, verströmte Stierkampf-Arena-Flair und bezog sein überschäumendes Temperament aus dem lebhaften Paso-Doble-Rhythmus. Ungewohnt ernst begann Johann Strauß jun. Ouvertüre zu „Der Zigeunerbaron“, bevor sich beschwingte Walzer- und Polka-Klänge durchsetzten, während der Walzer „Sleeping Beauty“ aus Tschaikowskys Ballett „Dornröschen die heitere Seite des ernsten Komponisten zeigte und bewies, dass nicht nur Wiener herrliche Walzer schreiben konnten.
Die Filmmusik zur „Star Wars Saga“ von John Williams vereinte imperiale Macht, revolutionären Schwung, Triumph und Liebe gleichermaßen und verdichtete die Grundstimmungen der Film-Charaktere zu einem mitreißenden Stück Musik. Mit welcher Präzision und Leichtigkeit die Stadtkapelle diese Stimmungen zu klingen brachte, war durchaus gänsehautverdächtig.
Danach traten vier schnurrende Tubaspieler als Raubtier-Ersatz im „Tuba Tiger Rag“ an und vollführten mit ihren als eher träge geltenden Instrumenten musikalische Bocksprünge. Dabei gerieten sie – allerdings nur theatralisch – außer Atem und ins Schwitzen. Das Konzert ging mit Johann Strauß Vater und Sohn zu Ende. Der eine steuerte den Reitermarsch und der andere seinen Radetzky-Marsch bei, während der obligatorische Luftballonregen für ein saalinternes Feuerwerk sorgte. Musikalisch hatte die Stadtkapelle das schon lange erledigt und das Publikum genüsslich, künstlerisch und gestalterische perfekt und schwungvoll auf den Jahreswechsel vorbereitet.
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 01.01.2013, Geschrieben von Johannes Rahn
