Wangen und Wil rücken endgültig zusammen
Die deutsche und die schweizer Stadt verbindet viel. Deshalb besiegelten die Rathauschefs die Freundschaft nun zum zweiten Mal.
Vertreter der Städte Wangen und Wil (Schweiz) haben am Samstag in einem zweiten Akt ihre offzielle Partnerschaft der beiden Kommunen besiegelt. Wils Stadtpräsident Hans Mäder und Wangens Oberbürgermeister Michael Lang setzten auf dem Marktplatz erneut ihre Unterschriften unter die Urkunden, nachdem Gleiches bereits vor Wochenfrist in der Schweiz der Fall war. Zeugen waren Mitglieder der jeweiligen Stadtpolitik und der Trachtenvereine. Umrahmt war der offizielle Festakt vom Sommerabendkonzert der Stadtkapelle, das sie gemeinsam mit der Stadtharmonie Wil spielte. Den Auftakt bildete der Auftritt des Jugendblasorchesters. Das berichtet die Stadt Wangen.
Mit Blick auf das vorvergangene Wochenende bezog sich Michael Lang auf den gemeinsamen Vorfahren Fürstabt Ulrich Rösch. In Wangen am 4. Juli 1426 geboren, baute dieser in Wil das Macht‑, Wirtschafts- und Gesellschaftszentrum mit dem Hof zu Wil. Zu seinem 600. Geburtstag wurde der Hof nach jahrelanger Sanierung wieder eröffnet – ein bestens geeigneter Anlass für die Partnerschaftsfeier. „Die beiden Städte haben also 600 Jahre auf dieses Fest gewartet“, sagte OB Lang zum Auftakt einer kurzweiligen Wangener Feier, heißt es in der Mitteilung. Mit dabei waren auch die jeweiligen Vorgänger der heutigen Stadtoberhäupter, Alt-OB Jörg Leist, und Bruno Gähwiler aus Wil.
„Begegnung der Menschen“ ist der gemeinsame Weg
OB Lang und Stadtpräsident Hans Mäder gingen auf frühere Begegnungen ein, beispielsweise zur Landesgartenschau. Mäder war deshalb häufig in Wangen. Und zeigte sich begeistert vom Wangener Wetter 2026, denn vor zwei Jahren habe er bei zehn Aufenthalten nur einmal die Sonne gesehen. Oder mit Blick auf die Laufstafette. O‑Ton OB Lang: „Wenn man auf der Strecke nach Wil läuft, weiß man, welch‘ schöne Landschaft und gemeinsame Kultur uns verbindet.“
Mit der Unterschrift unter die Urkunden ende und beginne gleichzeitig ein Weg, sagte Hans Mäder. Der Weg des Kennenlernens finde dadurch einen Höhepunkt. Gleichzeitig sei er der Kipppunkt zwischen Vergangenem und Künftigem. Kriege ließen sich nicht durch Waffen, sondern durch Verständnis der Menschen untereinander verhindern, sagte er und bekam viel Applaus. „Unser Weg ist die Begegnung zwischen den Menschen“, sagte er. Es sei eine Ehre und Verpflichtung zugleich, den Bodensee zu einer Brücke zwischen den Völkern zu machen und an einer gemeinsamen Zukunft zu bauen. Gemeinsame Aktivitäten jeder Art, die diesem Zweck dienten, seien willkommen.
Hans Mäder und der jahrelange Werber für die engen Beziehungen zwischen beiden Städten, Ruedi Schär, übergaben als Gastgeschenk die Kopie der ältesten farbigen Stadtansicht von Wil. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert. „Auf ihr ist alles zu sehen, was Ulrich Rösch gebaut hat: den Hof zu Wil, den Weiher direkt unterhalb und die Kirche St. Nikolaus“, erläuterte Ruedi Schär. OB Lang versprach, dass es einen würdigen Platz bei den anderen Bildern aus den Partnerstädten im Rathaus bekommen soll.
Die Kapellen beider Städte musizieren gemeinsam
Er lud alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich nun auch an der Pflege der neuen Partnerschaft zu beteiligen. Mit Prato und La Garenne-Colombes verbinde Wangen schon über viele Jahre lebendige Partnerschaften, sagte OB Lang. Es folgten die Unterschriften der beiden Stadtoberhäupter auf die von Fabienne Bettschen entworfenen Urkunden. Ins Goldene Buch der Stadt trugen sich Parlamentspräsident Dominik Egli und Stadtpräsident Hans Mäder ein.
Zum feierlichen musikalischen Rahmen gehörte in Wangen wie zuvor in Wil der gemeinsame Auftritt der Stadtkapelle Wangen mit Dirigent Tobias Zinser und der Stadtharmonie Will unter der Leitung von Andreas Signer. Die rund 120 Musikerinnen und Musiker spielten das eigens vom Schweizer Komponisten Oliver Waespi geschriebene Stück „Temporum Pace“. Waespi griff dabei auf Noten von Notker Balbulus aus dem 9. Jahrhundert zurück, die zu jenen gehörten, die Ulrich Rösch sicherte und die heute noch im Archiv des Klosters St. Gallen zu finden sind, wie er im Gespräch mit OB Lang verriet. Der offizielle Festakt endete mit den Nationalhymnen beider Länder.
Im Anschluss spielte zunächst die Stadtharmonie Wil ein vielfältiges Programm, bevor die Stadtkapelle ihr traditionelles Sommernachtskonzert gab. Auch dort gab es einen gewissen Schweizer Schwerpunkt durch die von Dirigent Tobias Zinser ausgewählten Stücke eidgenössischer Komponisten. Zwei Zugaben fordert das Publikum ein.
Der gesamte Tag hatte schon im Zeichen Wils gestanden. Morgens war Ruedi Schär mit Freunden, sowie unterstützt von Fabienne Bettschen und Joachim Allmendinger, an einem Marktstand vor dem Bürgeramt und verkauften Wiler Produkte: Wein, Käse und den berühmten Mandelfisch. Allein 18 Kilogramm Käse ging weg. Dazu gab es viele Infos zur Stadt Wil. Denn – wie sollte doch Hans Mäder am Abend schmunzelnd sagen – Schweizer würden immer „in Fränkli“ denken und Wil hoffe auf viele Besucher des Hofs zu Wil.

„Schweizer Platz“ ist auch offiziell einer
Nachmittags ging es für die angereisten Wiler auf einen Stadtrundgang, der beim Wiler Brunnen beim St. Galler Klostergarten steht und jetzt auch wieder läuft. Aktuell sprudelt das Wasser provisorisch, spätestens nächstes Jahr soll dauerhaft Frischwasser fließen, so dass man dann dort wie an allen Wangener Brunnen das Wasser trinken kann – auch wenn es aus rechtlichen Gründen nicht als Trinkwasser deklariert ist. Beide Stadtoberhäupter nahmen den Brunnen wieder in Betrieb und spritzen dazu das Wasser aus dem Trog.
Die Pause wurde stilecht am „Schweizer Platz“ mit einem Imbiss eingelegt. Dort übergab Hans Mäder eine Tafel mit der Aufschrift, so dass nun jedermann weiß, dass dies wirklich der Schweizer Platz ist. Unter den Vertretern der Stadtpolitik fanden sich direkt Monteure. Auch die Wangener hatten ein Geschenk dabei — und zwar für Ruedi Schär. Er war so oft in Wangen, so dass Fabienne Bettschen sein Gesicht in ein Flugzeug-Foto montiert hatte mit der Aufschrift „Schär Force 1“, angelehnt an den Namen der Maschine des Präsidenten der USA „Airforce one“.
Fragt man das Internet, wie viele Städteverbindungen es zwischen der Schweiz und Deutschland gibt, so zeigt Wikipedia 25 Partnerschaften bisher – Wil und Wangen kommen jetzt als Nummer 26 dazu.
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 13.07.26
